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Wie alles begann 

Berlin war einmal ein Versprechen. Und das Versprechen roch nach alten Industriebauten, Kellern und dunklen Maschinenhallen.

Die Geschichte von „Himmel unter Berlin“ ist eng mit dem Berlin der Nachwendezeit verbunden.
In den 1990er Jahren war die Stadt ein Magnet für Künstler, Musiker und Freigeister.
Während große Clubs international bekannt wurden, existierte parallel eine zweite, kleinere Szene: temporäre Orte, Keller, Off-Spaces. „Himmel unter Berlin“ gehörte zu dieser intimen, experimentellen Bewegung – weniger Massenkultur, mehr Labor.

In dieser Zeit entstand im Prenzlauer Berg in einem Luftschutzkeller ein experimentelles Format mit dem Namen „Himmel unter Berlin“. In 200 Quadratmetern unter der Erde begannen die ersten Ausstellungen. Ein Ort, der so dunkel war, dass sich jeder mit der Hand vor Augen tasten musste.

Die Räume waren roh, kalt und improvisiert

Ein Charme des Unperfekten: dunkle Gewölbe, enge Bunker, offene Sicherungskästen, ungewöhnliche Kunst- und Musikmischung.
Die Gäste kamen über Mundpropaganda und Mailinglisten. Zugangscodes wechselten, Adressen wurden erst kurzfristig bekannt gegeben. Es ging um Atmosphäre, Kunst und Begegnung. DJs spielten, ohne dass jemand „Line-up“ sagte. Es war kein Club. Es war auch keine Ausstellung.
Es war dieses Dazwischen, in dem Berlin damals wohnte. Und irgendwo dazwischen dieses Gefühl, dass man gerade etwas erlebt, das offiziell gar nicht existiert. Die Untergrund-Veranstaltung blieb für Eingeweihte. Dies hatte auch einen Grund: 2002 räumte die Polizei die Ausstellung und beendete damit das Kapitel im Bunker.

Polizei räumte illegale Diskothek“ (Tagesspiegel vom 04.10.2002)

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Doch die Idee verschwand nicht

Doch die Idee verschwand nicht. Die Macher von Himmel unter Berlin bezogen die leer stehende Willner Brauerei, um die Kulturbewegung am Leben zu halten.
Die Willner Brauerei war in diesen Jahren selbst ein wichtiger temporärer Kulturort in Berlin – ein ehemaliges Industrieareal, das Künstlern, Veranstaltern und Kollektiven Raum bot.

Hier, in diesem stillgelegten Industriekomplex, arbeiteten die Personen, die „Himmel unter Berlin“ damals im Bunker erlebt hatten, Seite an Seite mit einer neuen Generation zusammen. Eine Gruppe an Künstlern, die die gleiche Sehnsucht spürte, während sie in einer Stadt lebte, die immer mehr zwischen Tech-Start-ups und Luxuswohnungen auseinanderbrach.

2017 wurde auch die Willner Brauerei verkauft, und es stand erneut ein Berliner Kulturraum vor dem Aus.
Als die Bulldozer-Botschaften der Investoren ankamen, gab es einen Moment, in dem das neue künstlerische Team die ursprünglichen Initiatoren von „Himmel unter Berlin“ fragte, ob sie das alte Format noch einmal aufleben lassen dürften.
Die Antwort war: Ja.
Das Konzept wurde weitergetragen.
Aber diesmal ohne Adresse.

Link über die letzte Ausstellung in der Willner Brauerei

`Nirgends` ist das neue Zuhause

Das Himmel unter Berlin heute sollte zu einem Phantom in der Stadt werden. Kein Programm. Kein fester Ort.
Etwas, das sich wie ein Gedanke materialisiert. Nur für ein paar Tage. Und dann wieder verschwindet.
Es kann eine alte Lagerhalle sein, eine verborgene Industriebrache, ein Turm, dessen Mauern Geschichten atmen. Jedes Mal eine völlig neue Location. In Berlin, wo nichts mehr lange leer steht, wird die Leere selbst zur Bühne.

2022 öffnet Himmel unter Berlin wieder die Türen: in Räumen unter der Erde, die normalerweise nicht zugänglich sind.
Durch eine Schranktür geht’s in den Untergrund, drei Stunden Zeit, fast vollständige Dunkelheit. Die Adresse blieb geheim bis zuletzt. Die Zahl der Gäste ist limitiert – weil Raum, Zeit und Menschlichkeit in diesen Hallen eine andere Dichte bekommen, sobald zu viele da sind.

Für ein paar Tage wird ein Lost Place zu einem Ausstellungsort 

Räume, die eigentlich schon vergessen waren. Licht kriecht durch kaputte Fenster, Sound füllt Hallen, in denen früher Maschinen standen. Licht und Performance greifen die vorhandene Architektur auf. Der Raum selbst wird Teil des Werks.
Und dann – verschwindet alles wieder.

„Himmel unter Berlin“ begann als Untergrundveranstaltung im Bunker. Es überlebte Räumungen, Ortswechsel und städtischen Wandel. Heute ist es kein Ort mehr, sondern ein wanderndes Kunstformat. Es taucht auf.
Verwandelt Räume. Es verschwindet.
In einer Stadt, in der jeder Quadratmeter inzwischen eine PowerPoint-Präsentation hat, erinnert es an etwas, das Berlin einst ausmachte, als die Stadt noch roh war: nicht das Permanente, sondern das Flüchtige, das Unberechenbare, das Momenthafte.

Manchmal reicht es, wenn für drei Tage irgendwo Licht brennt, wo es eigentlich dunkel sein sollte.
Und dann wieder nicht.

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